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MS TAVETA DAL


Foto: Archiv DAL

Am Freitag, dem 30. September 1966, läuft bei der Deutschen Werft in Hamburg-Finkenwerder unter der Baunummer 814 ein neues Schiff für die Deutschen Afrika-Linien vom Stapel. Das Schiff wird von Frau Liselotte Paproth auf der Namen TAVETA - nach einer kleinen Stadt in Kenya in der Nähe des Kilimandscharos - getauft.


Stapellauf 30.09.1966 Deutsche Werft AG, HH-Finkenwerder


Foto: Archiv DAL

Die TAVETA ist ein Schwesterschiff der TABORA und TALANA, die bereits im Juli und Dezember 1965 in Dienst gestellt worden sind.

Im Januar 1967 wird die TAVETA an die Deutschen Afrika-Linien abgeliefert und dann im Dienst der DOAL nach Süd- und Ostafrika eingesetzt.

Das Schiff wird von einem einfachwirkenden MAN-Zweitakt-Dieselmotor angetrieben, der bei 118 U/min eine Leistung von 9600PS entwickelte und damit dem Schiff eine Geschwindigkeit von 18,5 Knoten verleiht. Eingerichtet ist das Schiff für 44 Mann Besatzung sowie 12 Passagiere.



Speisesalon

Rauchsalon-Bar



Doppelkabine

Einzelkabine

Reedereipostkarten: Slg. Kraft


MS TAVETA ist mit einem 150-t-Schwergutbaum ausgerüstet und verfügt über 730 cbm Kühlraum sowie über Süßöltanks mit einer Kapazität von 545 cbm.

Wulstbug, höhere Decksbelastung als normal, elektrische Hangarwinden und Teilautomation der Maschine sind weitere technische Einrichtungen, die den neuesten Errungenschaften des Schiffs- und Schiffsmaschinenbaus entsprechen. Ebenso sind auch die navigatorischen Hilfsmittel den jüngsten Erkenntnissen neuzeitlicher Elektronik entsprechend auf den letzten Stand gebracht worden.

Nachdem auf MS TAVETA seit September 1973 die Ausbildung nautischer Offiziers-Bewerber durchgeführt wird, hat man nun auf diesem Schiff mit einem Aufwand von etwa 120.000 DM auch Ausbildungswerkstätten für technische Offiziers-Bewerber geschaffen, die mit den für die Ausbildung erforderlichen Werkzeugmaschinen, Werkzeugen und Material ausgestattet sind.

1974 wird das Schiff an die Deutsche Südafrika-Linie GmbH & Co mit Sitz in Hamburg übertragen.


Feuerkatastrophe auf MS TAVETA

Am 16. September 1975 etwa 175 Seemeilen südwestlich von Lissabon ist auf der TAVETA ein Feuer ausgebrochen. Das Schiff hat am 13. September Antwerpen verlassen und befindet sich auf der Reise nach Südafrika. An Bord befinden sich 52 Besatzungsmitglieder ( davon 14 Offiziersbewerber und 3 Ehefrauen ), 3 Passagiere und 1 Tierbegleiter.

Gegen 02:00 Uhr morgens werden von der Brücke aus Flammen entdeckt, die aus einer Kabine schlagen. Es wird sofort Alarm gegeben. Das Feuer greift sehr schnell um sich. Dabei wird die Funkstation zerstört, so dass nicht einmal mehr SOS ausgesendet werden kann. Die Aufbauten werden in kürzester Zeit fast vollständig vernichtet. Außerdem ergreift das Feuer sogleich die Decksladung bei Luke 4.

Bei einer Personenüberprüfung stellt sich heraus, dass der 2. Ingenieur Heinz Baumann und seine Frau sowie der Matrose Walter Kuchenmann, der Schmierer Adolf Konrad und der Passagier Dieter Brinckmann fehlen. Herr Brinckmann kann sich später mit einem Sprung aus seinem Kabinenfenster retten. Frau Brinckmann, die zunächst gerettet werden kann, verstirbt etwa eine Stunde nach Ausbruch des Feuers. Herr Konrad wird später, nachdem der Brand in den Aufbauten unter Kontrolle gebracht worden ist, in seiner Kammer tot aufgefunden. Aber auch bei den übrigen 3 Vermissten geht man davon aus, dass sie nicht mehr am Leben sind.

Mit der inzwischen eingetroffenen PELINDABA wird dann der Versuch unternommen, eine Schleppverbindung herzustellen, was aber mißlingt. Gegen 14:00 Uhr wird von Kapitän Rolff der Befehl gegeben, die TAVETA zu verlassen. Alle Personen mit Ausnahme der Vermissten und Frau Brinckmann werden von der PELINDABA übernommen. Die PELINDABA verbleibt in der Nähe der TAVETA, bis am 17. September nachmittags die beiden Schlepper HUDSON und ATLANTIC eintreffen.

MS PELINDABA


Foto: Archiv DAL

Dann setzt die PELINDABA ihre Reise nach La Palice fort, wo sie am 19. September nachmittags eintrifft. Dort wird die gerettete Besatzung der TAVETA von Reedereivertretern in Empfang genommen und am 20. September mit einer Chartermaschine nach Hamburg geflogen. Der 1. Offizier Stapelfeldt sowie der Passagier Brinckmann werden bereits vorab mit einer portugiesischen Fregatte in Lissabon an Land gebracht. Herr Stapelfeldt kann schon am 19. September der Heimflug nach Hamburg antreten, muß allerdings noch einige Tage ins Krankenhaus. Ladungsoffizier Fuchs und Ltd. Ingenieur Oesmann steigen in beratender Funktion auf die Bergungsschlepper über und kommen einige Tage später nach Hamburg.

Bereits am 26. September findet in Hamburg die Seeamtsverhandlung statt. Das Urteil lautet: "Die Einrichtungen und die Ausrüstung des Schiffes entsprachen den Vorschriften. Die Schiffsführung trifft kein Verschulden, die getroffenen Maßnahmen entsprachen den Erfordernissen. Die Aufgabe des Schiffes war gerechtfertigt."

Die TAVETA wird zunächst nach Lissabon verbracht, bis der Brand gelöscht ist. Am 03. Oktober verlässt der Schlepper ATLANTIC mit der TAVETA am Haken Lissabon in Richtung Hamburg, wo der Schleppzug am 10. Oktober abends eintrifft. Am Afrikaterminal wird die TAVETA entladen, was bis zum 31. Oktober dauern soll. Erst während der Entladung kann nach und nach das wirkliche Ausmaß der Katastrophe festgestellt werden.

Mit Erschütterung und Tiefer Trauer gedenken wir der vier jungen Besatzungsangehörigen unseres Motorschiffes TAVETA, die durch das Feuer an Bord am 16. September 1975 ihr Leben lassen mussten. 175 Seemeilen südwestlich von Lissabon starben auf See

Herr Heinz Baumann
2. Ingenieur, geb. 30.10.1943

Frau Hanne Baumann
Zahlmeister-Assistentin, geb. 05.02.1955

Herr Adolf Konrad
Motorenanwärter, geb. 11.09.1949

Herr Walter Kuchenmann
Matrose, geb. 06.09.1942

Ihr unermüdlicher Einsatz und ihr treues Wirken für unsere Reederei werden für uns alle stete Verpflichtung sein. Wir werden den Verstorbenen in Dankbarkeit ein ehrendes Andenken bewahren.

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Im November 1975 wird die TAVETA an griechische Interessenten verkauft. Sie wird von Hamburg nach Piräus geschleppt, dort repariert und in NIKOS umbenannt.


MS NIKOS


Foto: Archiv B. Rohbrecht

1977 wird sie an chinesische Interessenten weiterverkauft und in DA BAI SHU umbenannt. Hier wird sie nun als Freidecker in ostasiatischen Gewässern und bis zum Roten Meer eingesetzt.


MS DA BAI SHU


Foto: Slg. Kraft

Anfang des Jahres 1993 wechselt sie erneut den Besitzer und erhält den Namen WAN LONG. Nach unbestätigten Meldungen soll sie noch innerhalb Chinas im Einsatz sein.